Mittwoch, 27. Mai 2015

Generationen und Retention: Eine Seite reicht! Ernsthaft jetzt?


Nach längerer Abstinenz melde ich mich zurück, wieder zu einem meiner Lieblingsthemen, den Generationen. Mit Erstaunen las ich vor einigen Tagen eine Zusammenfassung der Generationen und wie man sie an das Unternehmen bindet, wohlgemerkt auf einer DIN A4 Seite. Das Ganze in einem Magazin das wohl so ähnlich hieße wie „Manager Actual“, wenn es denn einen englischen Namen hätte.
Sind wir nun also schon so einfach kategorisierbar, dass man jede Generation von den Babyboomern an bis Generation Z in 4 Kästchen a 3x4 cm kategorisieren kann? Am Ende gab es dann natürlich auch Tipps wie man die Generation an das Unternehmen bindet. Ebenfalls in einem ca. 3x4 cm großen Kästchen und dann in der nächsten Zeile das gleiche für die nächste Generation. Der Mensch wird vermessen, auch psychologisch, das ist nun einmal so in Zeiten in denen die Forschung mit großen Schritten voran schreitet, aber sind wir so simpel und so gut kartographiert, dass wir nun in ein paar Zeilen eine ganze Generation und deren Wünsche und Ziele aufzeigen könnten?
In Zeiten von Management Summits, Querlesern und alles überfliegenden, gehetzten Menschen mag es sinnvoll sein möglichst viel Information kompakt zu verteilen….. Richtig? Warten Sie, da war doch noch dieses Minimax Prinzip? Jedem Ökonom läuft jetzt bestimmt ein Tränchen die Wange herunter, weiß er (oder sie) doch seit den ersten Tagen des Studiums (eigentlich reicht dafür die Wirtschaftsfachschule o.ä.), dass genau das nicht klappt. Wie kann man nun also Generationen, ich wiederhole noch mal es wurden die Generation der Babyboomer, über X und Y bis hin zu Z beschrieben, mit einem Minimum an Information kennen und ggf. sogar verstehen und wirklich etwas über die Hebel lernen die es benötigt um sie jeden Morgen zufrieden an der Arbeit erscheinen zu lassen?
Ich bin überzeugt, dass es nicht so einfach ist und ich bin weiterhin überzeugt dass das Handwerkszeug eines jeden Personalers, einer jeden Führungskraft eben der Umgang mit den (potentiellen) Mitarbeitern ist. Es gehöhrt vielmehr gerade im Personalbereich zu einer der wichtigsten Komponenten die Menschen mit Ihren Wünschen und Vorstellungen ernst zu nehmen, idealerweise zu verstehen und eine Brücke zu schlagen zwischen Ihren eigenen Zielen und den Zielen des Unternehmens.
Wer Experte werden will, egal in welchem Fach, der muss mehr tun als ein paar Zusammenfassungen zu lesen. Man muss in die Materie eintauchen, Sie erfassen, ergründen, sie kritisch hinterfragen, ggf. sogar selbst im Feld forschen.
Wenn ich solche Artikel jedoch sehe, dann muss ich leider vom Gegenteil ausgehen. Ich sorge mich, dass eben nicht mehr die umfassende Information, vielleicht sogar das Gespräch (die Forschung) gesucht wird sondern nur noch eine schnelle Befriedigung des Bedürfnisses zu wissen „Was macht man denn so mit diesen Mitarbeitern, damit sie hier bleiben?“. Leider wird das so nicht funktionieren, denn weder sind die Generationen so einfach zu kategorisieren wie es uns gerne weis gemacht wird, noch wird sich ein einzelner Mensch ernst genommen fühlen wenn wir ihm den Deckel überstulpen und ihn wissen lassen „Du bist Genration BabyXYZ, du willst das … und tickst so …“.
Halbgares, liebloses Verhalten werden Mitarbeiter jeder Generation durchaus bemerken, so unterschiedlich sie sein mögen. Wir sprechen gerne von der Unternehmensfamilie, seine eigene Familie kennt man in der Regel mit allen Ecken und Kanten. Wenn wir nun tatsächlich unsere Mitarbeiter halten wollen sollten wir sie zumindest ansatzweise kennen, dann kann man auch gezielte Maßnahmen entwickeln um im Umgang mit jedem einzelnen seine Bedürfnisse zu erkennen und zu bedienen, so gut dies eben möglich ist. Auf jeden Fall werden sich die Mitarbeiter dann wesentlich ernster genommen fühlen.
Wir sollten schleunigst aufhören alles komprimieren zu wollen, bzw. als Konsument dieses dankbar anzunehmen. Es braucht wirkliches Interesse an einem Thema um darin ein Experte zu werden, und ein wahrer Meister (also jemand der bedeutend mehr weiß als ich ;) ) würde niemals behaupten am Ziel seiner Wissenssuche angekommen zu sein, es gibt immer noch einiges mehr zu ergründen Im Zweifelsfall ist es besser authentisch sagen zu können, damit kenne ich mich nicht aus als mit gefährlichstem Halbwissen etwas so komplexes, wie es Menschen sind an ein Unternehmen binden zu wollen.  Zumal es am Ende noch viel besser ist einfach seine Mitarbeiter zu kennen statt über Generationen zu palavarn. Reicht ja, dass ich das schon tue. ;)
Mit selbstironischen Grüßen
Ihr Stefan Nette

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