Donnerstag, 27. August 2015

Best Practice - Ein kleiner Verriss

Best Practice, das ist so ein geflügeltes Schlagwort in der HR Szene. Nun, da die Zukunft Personal mal wieder vor der Tür steht, können wir uns sicher sein, dass wieder viele Kolleginnen und Kollegen sich den einen oder anderen Vortrag anhören werden. Aber warum eigentlich? Hier meine Kontra Liste.
 
1. Head of HR bei Großkonzern bei XY zu sein ist kein Erfolgsgarant
Oftmals werden die Vortrage von mehr oder weniger namenhaften Personalern eines Großkonzerns gehalten, die uns dann erzählen wie etwas funktioniert. Warum das so ist? Klar, wer in einem Großkonzern arbeitet muss ja wissen wie es geht. Schließlich ist der Laden groß. Leider vergessen wir allzu oft, wie viele große Unternehmen in der Geschichte schon unter gegangen sind oder geschluckt wurden und wie oft sie sich auf einem Irrweg befanden. Eigentlich sagt die Größe des Unternehmens gar nichts aus, ebenso wie der Titel des Referenten. Wir wissen doch alle wie sehr Karriere, neben Können, auch schlichtweg von Glück und Gönnern abhängt.
 
2. Wirklich fundierte Nachweise bleibt man nur allzu oft schuldig
Was ich im HR wirklich vermisse ist ein wissentschaftlicherer, kritischerer Umgang mit Information und Validierung der Ergebnisse. Mich kann es jedenfalls nicht überzeugen, wenn man mir erzählt was funktioniert aber nicht warum und erst recht nicht welche Faktoren hier greifen, bzw. ob das Ergebnis allgemeingültig oder zielgruppenbezogen ist. Es braucht mehr Forschung und Validierung, diese liefern uns unabhängige Menschen und nicht der Referent der seine Leistung natürlich positiv sehen will und wohlmöglich auch karrierewirksam verkauft.
 
3. Transfermöglichkeit fraglich
Ein Nerd mag sich über eine Nerf-Gun als Willkommensgeschenk freuen, ein konservativer Banker wird wohlmöglich nur die Nase rümpfen. Besagte Nerf-Gun ist übrigens best Practice bei meinem ehemaligen AG gewesen... ;) Jedes Unternehmen hat seine Kultur und seinen Stallgeruch. Das Problem mit einer Best Practice ist, dass sie bei einem Unternehmen top und  kann beim anderen schon "geht so" sein kann und beim nächsten ist sie wohlmöglich vollkommen daneben. Insofern kann man sich warscheinlich schon den Besuch von 90% dieser Vortrage sparen.
 
4. Innovativ geht anders
Ja, ich gebe es zu, lieber gut kopiert statt schlecht selbst gemacht, das hat die Chinesen schon nach vorne gebracht. Es ist auch im HR nicht verkehrt sich inspirieren zu lassen, das
Problem ist nur dass ich insbesondere im HR wirkliche Innovatoren an einem Finger abzählen kann. Aber gerade für kleinere Unternehmen wäre das ein ganz wichtiger Faktor. Um zukunftssicher zu arbeiten braucht es maßgeschneiderte, kreative Lösungen. Vieles was man an Innovation im HR betreiben kann bedarf vor allem den Mut es zu verargumentieren, die Vorteile sichtbar zu machen und letztlich auch ein wenig "Augen zu und durch" um es auszuprobieren. Nachmachen kann oftmals hilfreich sein, aber ein eigenes funktionales Konzept zu etablieren ist auch hoch spannend. Vor allem jedoch bringt es auch den immer wieder bemängelten Respekt für HR und über den Mangel an diesem beklagen wir uns doch immer wieder gerne in bester Duracell Hasen-Manier: Läuft und läuft und läuft.
 
Best Practice ist sicher kein Teufelswerk, aber ich finde das Thema auch deutlich überbewertet.

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