Donnerstag, 15. Oktober 2015

HR for Refugees - Mein Beitrag zur Blogparade

Thema: Billige Arbeitskräfte, und die Wirtschaft weist alle Verantwortung von sich! (Oder wird es tun?)
Die Welle bewegt sich, unaufhaltsam wie ein Tsunami und sie wird so schnell nicht verebben. Wir brauchen uns keine Gedanken machen wie es nun dazu kam, im Prinzip muss sich die westliche Welt überhaupt keine Gedanken über die genauen Auslöser machen, wir (der Westen) sind selbst schuld an der Entwicklung. Zu lange haben die großen Westmächte im Machtgefüge der arabischen Welt rumgefuscht und zu oft haben wir den einen Despoten gestützt um einen anderen zu schwächen. Welchen Anteil wir Deutschen haben weiß ich nicht, aber wir haben es auch nicht verhindert. Fakt ist, die Welle bewegt sich und wird so schnell nicht verebben.
Und kaum kommen sie fragt man sich, wo sollen sie denn nun hin, wie integrieren und im Arbeitsmarkt unterbringen?
Problem Nr. 1: Sie dürfen nicht arbeiten
Nur ein Bruchteil der Asylanten, Flüchtlinge (wie auch immer man sie nun nennen darf) bekommt eine Arbeitserlaubnis, die Menschen sind zur Untätigkeit verdammt. Statt dass die ach so mächtige deutsche Wirtschaft mal richtig Druck auf die Politik ausübt kommen komische Wünsche auf die ich später noch eingehen möchte. Wenn wir diesen Fachkräftemangel angeblich haben, wenn wir so unglaublich dringend Leute brauchen, dann stellen sich mir zwei Fragen. „Sind diese Menschen die zu uns kommen vielleicht nicht gut genug?“ wäre die eine, die andere „Brauchen wir vielleicht doch nicht so dringend Leute?“ wäre die andere. Fakt ist, die Wirtschaft ist groß im Pseudofordern und im Fordern für den eigenen Vorteil, wenn es darum geht etwas für die Gemeinheit zu tun, dann kommen wir wieder zum Pseudofordern. Flüchtlinge in Lohn und Brot zu bringen scheint sich für die Wirtschaft nicht zu lohnen, wäre im gesamtgesellschaftlichen Kontext aber dringend notwendig denn wer sich langweilt und keine Perspektive hat der wird unweigerlich frustriert und wer frustriert ist baut immer auf die ein oder andere Art Mist. Zumindest produzieren frustrierte Menschen nichts sonderlich Gutes und man kann es ihnen auch nicht verübeln.
Es muss also Druck aufgebaut werden und zwar nicht in Form der netten, gutbürgerlichen Willkommenskultur mit Ihren Kleidersammlungen und Konsorten, sondern Knallharter politischer Druck. Es muss was passieren, aber schnell, das ist auch im Interesse der deutschen Wirtschaft. Und wer kann nun mehr Druck aufbauen als die Wirtschaft? Aber, da kommen wir zu:
Problem Nr. 2: Wir haben ja kein Geld
Vor einigen Tagen ging es durch die Medien, die Flüchtlingswelle wird als Anlass genommen den gerade erst etablierten Mindestlohn aussetzen zu wollen. So fordern es unter anderem der IHK Chef Kulitz, der Vorsitzende des CDU Wirtschaftsrat Bahlsen oder der IFO Chef Sinn. Klar, das macht "Sinn" denn dann kann man billige Arbeitskräfte einsetzen ohne sie großartig zu schulen oder zu entwickeln. Im Prinzip ohne ihnen eine nur Ansatzweise sinnvolle Zukunft in diesem Land zu ermöglichen. Was man hier schafft ist das die Menschen zwar einer Arbeit nachgehen, aber einer von der sie in unserem Land nur schwer leben können. Somit fördert man des Weiteren das nichtvorhandensein von Integration, denn wer nicht genug verdient um sich in einer Mittelstandsgegenden nieder zu lassen, wo er mit Unsereins in Kontakt kommt, Freundschaften knüpfen kann und sich so vielleicht am Ende als Teil dieses Landes fühlt. Nein, wer so am unteren Rand des Gehaltsgefüges steht, der wird sich am äußeren Rand der Gesellschaft bewegen und eine Ghettoisierung ist im Prinzip auch abzusehen. Das kennt man ja auch vielen Ländern dieser Erde, da traut sich dann kein guter deutscher mehr hin und somit ist das Thema Integration durch das Thema Subkultur und  Ghettoisierung abgelöst. Ein Zustand den wir hoffentlich nicht erreichen werden.

Was tun?

Ich hoffe, dass wir es schaffen diesen Problemen entgegenzuwirken, das Thema lautet ja HR for Refugees. Ich denke wir als Personaler sollten das Thema in unsere Unternehmen tragen. Ich persönlich plädiere hier dafür, dass man den Flüchtlingen die nötige Ausbildung zukommen lässt, Sie entwickelt und für unsere Arbeitsmarktbedürfnisse fit macht und das ist kein Thema der Politik, das ist unser Thema. Die Wirtschaft soll doch bitte einmal ihrem eigenen Credo folgen: „Man muss investieren um Gewinne zu machen“.  Zumal gerade heute erst der Wirtschaftswissenschaftler Bernd Raffelhüschen in den Medien zitiert wird zur Flüchtlingskrise „Die Folge werden massive Steuererhöhungen sein“. Es kann nicht angehen, dass die Wirtschaft pfeifend in der Ecke steht und die Arbeitnehmer wieder alles tragen sollen. Sie profitiert von diesem Land, der Leistungsbereitschaft der Menschen und früher oder später auch von den Flüchtlingen. Sei es nun als Konsumenten oder als Arbeitskräfte.

Hierfür müssen die Unternehmen den Druck auf Politik erhöhen, wir haben die Stellen, lasst die Leute endlich arbeiten und sie muss bereits sein selbst zu investieren und zwar deutlich, in Ausbildung, Entwicklung und die Zukunft. Ich höre aber bereits heute schon wieder die Rufe in meinem inneren Ohr hallen, der Staat müsse subventionieren, die Unternehmen könnten die Last nicht tragen, etc., etc. Von den letzten 5 fetten Jahren, kräftigen Gewinnen, den insgesamt gegenüber den 90er Jahren (Agenda 2010 zum Dank, und das meine ich ernst) insgesamt gefallenen Kosten der Arbeit wird natürlich keine Rede sein.

Wenn wir heute nicht investieren, werden wir ein riesiges Problem bekommen, welches letztlich einen enormen gesamtgesellschaftlichen Verlust bedeutet. Wenn es so kommen sollte, dann mache ich mir ernsthaft Sorgen um dieses Land, aber noch möchte ich nicht schwarz malen.

Kommentare:

  1. Selbst billige Arbeitskräfte müssen sich verständigen können. Und hier fängt es an. Die Masse spricht weder Deutsch noch Englisch. Dann sind viele Analphabeten, was die Erlernung einer neuen Sprache bis zur "Geschäftsreife" deutlich erschwert. Denn vorher ist eine Ausbildung nicht möglich. ergo bleiben sehr vielen Menschen nur die übrig gebliebenen Tätigkeiten der Geringqualifizierten.

    Ich habe dazu einen Artikel bei www.conplore.com geschrieben.

    Und auch da findet dann ein wettbewerb statt:zwischen den eigenen deutschen Geringqualifizierten, den Rentner, die dazuverdienen müssen und den Flüchtlingen.

    Das wird dann gesellschaftliche Auswirkungen haben, die sich auch politisch ausdrücken werden.

    Selbst wenn die wirtschaft Ausbildungsprogramme auf eigene Kosten anschiebt, wird sie dadurch das jahrzehntelange staatliche Desintresse an einer Migrationsplanung und Integrationspolitik nicht kurzfristig aufholen können. Dazu ist jetzt zu viel Dynamik im Spiel.

    Wer arbeiten will muss auch irgendwo schlafen können ergo ist Wohnraum eine genauso wichtige Frage wie die Befähigung hier arbeiten zu können. Und wir sind mit der Digitalisierung gerade dabei unsere Arbeitswelt eine Stufe anzuheben. Für alle. Und das ist keine Chance für neudazugekommene Flüchtlinge, denn dieser Anstieg setzt unser momentanes Level voraus...

    Ich galube, dass wir uns hier langfristig ein Pool von Leistungsempfängern angeschafft haben, die das ohnehin finaziell angeschlagene Gemeinwesen, zur dessen Stützung wir jetzt schon länger arbeiten müssen, weiter demontieren.

    Und das wird sich nicht auszahlen. Auf eine solch schlecht geplante Geschäftsidee gibt einem im realen ökonomisch angehauchten Leben keine Bank auch nur einen
    Cent.

    Sascha Rauschenberger

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    1. Lieber Herr Rauschenberger,

      "nobody said it was easy"... Zumindest müssen wir doch versuchen, die Situation sinnvoll zu gestalten, was sonst bleibt uns übrig.

      Und mir persönlich ist die Politikthematik zu einfach, wir alle haben die gewählt, der eine mehr der andere weniger. Noch sind wir alle teil dieses Staates, noch gehört die Wirtschaft dazu. Es wird Zeit dass sich hier initiative zeigt, vor allem weiter gedachte als unsere schöne Willkommenskultur. Ist ja alles ganz nett was da passiert, ist aber auch das eigene Gewissen erleichtert indem man hier mal was spendet und da mal nett Hallo sagt. Wir sind 80 Millionen Menschen und haben einige der größten Firmen der Welt, wir haben einen starken Mittelstand, wir müssen doch eine Möglichkeit haben etwas sinnvolles zu schaffen, bevor wir einen haufen Probleme haben die man hätte verhindern können.


      Wir können diese Völkerwarnderung nicht aufhalten glaube ich, also müssen wir hier etwas tun, damit diese nicht zum Desaster wird für unser Land. Und da ist eigeninitiative gefragt, auf die Politik war in vielen Fällen kein Verlass.

      Vielen Dank für Ihren Kommentar :)

      Beste Grüße
      Stefan Nette

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  2. Einem Menschen Lesen und schreiben sowie eine Sprache zu Vermitteln sollte eigentlich machbar sein, aktuell haben die Immigranten doch sowieso mehr als genug Zeit. Wäre doch schon mal ein guter Anfang wenn es einen Fonds der Deutschen Wirtschaft gäbe oder ähnliches, der Mittel für Grund- und Nachfolgend Ausbildung zur Verfügung stellt.

    Handwerker werden doch angeblich auch so dringend gebracht, dann könnten die zu uns gekommenen am Ende sogar den benötigten Wohnraum selbst bauen...

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